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Mehr als gedacht

Nieselregen bis 14:00 Uhr, so lautete die Wetterprognose für den Samstag Nachmittag.

Und tatsächlich, beim Aufrüsten der Rennmaschine tropfte es leicht vom wolkenverhangenen Himmel herab.

Für Rennradbegeisterte allerdings noch lange kein Grund, den Drahtesel im Stall zu lassen.

Evelyn, Silke und Michael gingen heute als „Dreigestirn“ an den Start und da der Frühling, laut Kalender,  ja schon 2 Tage andauerte, hatten alle Drei die kurzen Hosen angelegt.

Ob es nicht doch noch ein Wenig zu frisch dafür ist? war die bange Frage von Evelyn. Lapidare Antwort von Silke: „Uns wird schon noch warm werden“. Und Sie sollte, angesichts des Streckenvorschlages von Michael, in gewisser Weise Recht behalten.

In Richtung Taunus sollte es heute wieder einmal gehen, mit ein paar „leichten“ Anstiegen und einer kleinen „Abkürzung“ der gewohnten Strecke, um die Muskulatur in diesem frühen Trainingsstadium nicht zu überfordern.

Silke veranschlagte für den Streckenvorschlag 60 km, Michael 70.

Beides sollte sich als Irrtum erweisen. Und zu den Höhenmetern kommen wir später noch…..

Zügig durchfuhren wir das schöne Solmsbachtal bis Weiperfelden, so dass wir gut aufgewärmt den ersten längeren Anstieg nach Bodenrod in Angriff nehmen konnten.

Zu unserer Freude riss die Wolkendecke auf und strahlender Sonnenschein begleitete uns auf unserer weiteren Fahrt.

Die Auswahl unserer Beinkleider hatte sich somit als richtig erwiesen.

Nächster Anstieg hinter Bodenrod, flotte Abfahrt nach Michelbach, weiterer Anstieg zu den Eschbacher Klippen,  wiederum rauschende Abfahrt und nochmals kleiner Anstieg.

So waren wir im Nu in Usingen angekommen. Michael meinte in seiner, zugegebenermaßen etwas merkwürdigen Sichtweise, dass man bei so vielen schönen Abfahrten die Anstiege gar nicht wirklich bemerkt.

Dies konnten die beiden Mitfahrerinnen allerdings so nicht nachvollziehen.

Noch einmal ging es hinter Usingen bergan und an der Strassenkreuzung nach der Bahnbrücke fuhren wir diesmal in Richtung Wilhelmsdorf, um über Heinzenberg ins Weiltal zu gelangen.

Dies ist die oben schon erwähnte „Abkürzung“! Was uns hier erwartete war der Lohn für die vorangegangen Strapazen und an Genussradeln kaum zu übertreffen.

Circa 6 Kilometer auf einer Anhöhe, mit herrlichen Ausblicken zu Taunus und Westerwald, noch dazu ein wenig abschüssig und am heutigen Tag mit leichtem Rückenwind. Radlerherz was willst Du mehr?……

Im Weiltal angekommen,  bogen wir ab Ernsthausen auf den Weiltalradweg ein, der zu unserer Freude nunmehr ab dort asphaltiert ist. Nun hätten wir eigentlich entspannt über Weilburg und den bekannten R7 an der Lahn entlang nach Hause „rollern“ können, da machte uns aber Evelyn einen Strich durch die Rechnung, da sie die Fahrt ab Weilburg als äußerst langweilig empfindet, stiess damit aber bei Michael auf offene Ohren.

Flugs war entschieden, dass man am schnellsten über Drommershausen, Hirschhausen und Philippstein ins ersehnte Braunfels zum Kaffee bei Schäfer gelangen könnte. Silkes Bemerkung, ob der Anstieg hinter Drommershausen schon immer so zäh gewesen wäre offenbarte, dass wir heute wohl doch schon so einige Höhenmeter in den Beinen hatten.

Schlussendlich standen bei der wohlverdienten Ankunft im Kaffee 81 Streckenkilometer bei 920 erklommenen Höhenmetern auf dem Messinstrument.

Dreieinhalb Stunden schöner Radsport und: „Mehr als gedacht!“     (Michael)